DER ALTE FRITZ auf dem GOLLENBERG

Vor fast genau 243 Jahren, am 23. Juli 1779, bestieg der Alte Fritz den immerhin 110 Meter hohen Gollenberg bei Stölln, die mächtigste Erhebung des Havellandes. Der Name des von Eiszeitgletschern zusammengeschobenen Steinhaufens leitet sich von slawisch Goly, nackt, kahl, ab, also „Kahler Berg“, was er zu jener Zeit auch war.
Die Sonne stand hoch. Der Tross war am Vortag vom Stadtschloss in Potsdam aufgebrochen, hatte die Nacht auf einem Landgut bei Nauen verbracht. Jetzt hielten die Kutschen im Schatten einiger Bäume. Es war heiß. Stechfliegen umschwirrten die nassen Pferde. Biche, Pax und Hasenfuß, drei seiner Windhunde, begleiteten den König beim Aufstieg. Sie jagten voran, während der Herrscher mit seinen Adjutanten gemächlich voranschritt, sich immer wieder auf seinen Stock stützte und den Blick über die Landschaft schweifen ließ.
Zwischen 1773 und 1775 waren südwestlich von Neustadt die Kolonie Friedrichsdorf und sechs weitere Dörfer auf Talsandinseln entstanden. Die Bedingungen im meliorierten Luch waren günstig für die Rinderwirtschaft und den Anbau von Roggen, Kartoffeln und Gemüse. Alle neuen wirtschaftlich nutzbar gemachten Ländereien wurden mit Angeworbenen besiedelt. Polen, Sachsen, Mecklenburger und vor allem Rheinländer und Pfälzer kamen ins Land. In der Umgebung von Rhin, Dosse und Jäglitz wurden rund 20 000 Kolonisten angesiedelt. Doch immer wieder gab es auch Rückschläge, nasse Sommer, schlechte Ernten. Wenn die Siedler nicht weiterwussten, sie und ihr Vieh hungerten, machten sie sich auf den Weg nach Potsdam, standen mit ihren Gesuchen unter der Bittschriftenlinde.
Oben angekommen, überblickte der Alte Fritz das Gebiet nördlich des Berges. Er war beeindruckt von den Ergebnissen der umfangreichen Entwässerungsarbeiten zu seinen Füßen. Wie silberne Bänder zogen sich die Gräben durch Felder und Wiesen. Wie viel Mühe hatte es gemacht, dem Luch das Land abzuringen. „Das ist wahr, das ist wider meine Erwartung! Das ist schön!“ rief er.

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