die orgel in der kirche hohenofen

Bis Anfang des 19. Jahrhunderts gingen die Hohenofener sonntags nach Sieversdorf in die Kirche. 1802 wurde die Hohenofener Kirche als rechteckiger Putzbau mit verbrettertem Dachturm errichtet, finanziert von der Seiger-Hütte. Aufgrund ihrer schlichten Bauweise wurde sie im Volksmund „Gebetsscheune“ genannt. 1818/20 erbaute der Orgelbauer Friedrich Max aus Berlin eine neue Orgel, in der erstmalig in Deutschland Zinkpfeifen verwendet wurden. Sie hatte ein gusseisernes Gehäuse. In Hohenofen wird immer noch fälschlich davon gesprochen, dass dieses Orgelprospekt in dem einheimischen Hüttenwerk gegossen wurde, doch in den alten Akten der Königlichen Eisengießerei Berlin kann gelesen werden: „Das Gussstück wurde gefertigt in Berlin für 277 Reichsthaler, 27 Silbergroschen und 2 Pfennige.“ Der Prospekt brachte 13 Zentner und 11 Pfund auf die Waage. Aufgestellt wurde die Orgel auf der Empore, an der südlichen Schmalseite der Kirche. 1863 wurde sie durch den Orgelbauer Ducherow aus Rathenow repariert. Schon 1889 war sie wiederum in so schlechtem Zustand, dass Verhandlungen betreffs der Wiederherstellung geführt wurden. 1890 verkauften die Hohenofener ihre Orgel doch und erwarben ein Harmonium für 930 Mark.
Aber ohne Orgel konnten die Hohenofener nicht sein. Sie holten einen Kostenvoranschlag des Orgelbauers Albert Hollenbach aus Neuruppin ein, der am 13. April 1895 für eine neue Orgel 1364 Mark verlangte. August Woge, der Besitzer der Patent-Papier-Fabrik Hohenofen, spendete dafür 1400 Mark. Daraufhin baute Hollenbach die Orgel, die bis heute in der Kirche steht.
Doch wer war dieser Hollenbach? Albert Wilhelm Hollenbach, Sohn einer Müllersfamilie, wurde 1850 in Blankenberg im Kreis Ruppin als achtes von zehn Kindern geboren. 1864 ging er beim Orgelbauer Friedrich Hermann Lütkemüller in Wittstock in die Lehre, danach arbeitete er bei Eberhard Friedrich Walcker und Friedrich Ladegast. 1877 heiratete er Maria Theresia Daumann. Das Paar siedelte sich in Neuruppin an und bekam fünf Kinder, von denen Zwillingsbrüder jedoch kurz nach der Geburt starben.
Hollenbach arbeitete unter schwierigen persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen. Die erste „Hollenbach-Orgel“ wurde 1880 in Neuruppin fertiggestellt, zu einer Zeit, in der in Neuruppin Aufschwung und Baulust herrschten. Als Landorgelbauer verkaufte Hollenbach seine Werke vorzugsweise in Brandenburg und Mecklenburg, aber auch in Norwegen und Schweden. Es waren einmanualige und einige dreimanualige Instrumente. In 25 Jahren schuf er 104 Orgel-Neubauten.
Als 1898 die Preise für Zinn um insgesamt 50 Prozent stiegen, wollte Hollenbach kein minderwertiges Zinn für seine Orgelpfeifen verwenden, sodass die hohen Preise ihn 1903 in den Konkurs trieben. Am 22. Januar 1904 wurden Haus und Werkstatt zwangsversteigert, am 24. Januar nahm er sich, gesundheitlich zerrüttet, wenige Wochen vor seinem 54. Geburtstag das Leben. Die Familie blieb verarmt zurück.

Text: Michael Deylitz

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